Mit dem digitalen Video-Dialograum der E-Mitwirkung setzt die Gemeinde Unterägeri in Zeiten von «Social Distancing» auf den innovativen Dialograum der E-Mitwirkung. Die Kommunikation und Mitwirkung kann so ortsunabhängig weitergeführt werden.

Aktuelle Situation als Chance nutzen

Mitte März sollten in einem ersten Schritt die politischen Parteien über das weitere Vorgehen der Ortsplanung in der Gemeinde Unterägeri (ZG) informiert werden. Ende März war eine zweite öffentlich Veranstaltung für die interessierte Bevölkerung der Gemeinde Unterägeri geplant. Aufgrund der Corona-Situation wurden beide Veranstaltungen abgesagt.

Not macht erfinderisch: In Zusammenarbeit mit der Konova AG (Anbieterin der E-Mitwirkung) und der KEEAS AG hat der Gemeinderat nach neuen Wegen gesucht, die Ortsplanung trotz des verordneten Veranstaltungsverbots weiterzuführen und wagt dabei einen innovativen Schritt.

Die Unternehmen machen es bereits seit Wochen vor: Virtuelle Besprechungen halten den Wirtschaftsmotor während der Corona-Krise am Laufen. Grosse Städte wie Solothurn oder Zürich sind bereits Vorreiter und bewiesen, dass eine elektronische Partizipation der Bevölkerung auch im Rahmen der Ortsplanung möglich ist.

Digitaler Videodialog bringt Vorteile

Als Premiere wurde in der Gemeinde Unterägeri das Modul «digitaler Video-Dialograum» der E-Mitwirkung eingesetzt. Mit dem integrierten Video-Besprechungsmodul wurde es ermöglicht, die Parteienorientierung zur Ortsplanung trotz Versammlungsverbot durchzuführen. Die Parteimitglieder konnten sich dabei bereits digital zur Teilnahme anmelden, wurden automatisiert eingeladen und konnten von zuhause aus direkt über den Webbrowser an der Parteien-Orientierung teilnehmen. «Die Rückmeldungen zum Video-Dialograum sind positiv ausgefallen.», erläutert Joëlle Guldin, Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde Unterägeri.

Die digitale Durchführung bringt zusätzliche Vorteile mit sich. So können die Parteimitglieder nach der Veranstaltung Rückmeldungen zur gezeigten Präsentation direkt online über die E-Mitwirkungsplattform erfassen und die Aufzeichnung der Video-Veranstaltung jederzeit wieder ansehen. Dies ermöglicht den betroffenen Anspruchsgruppen eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Ortsplanung.

Marcel Muri

Mit dem digitalen Video-Dialograum können die Parteien ortsunabhängig in den Ortsplanungsprozess einbezogen werden. Der Dialog erhöht das Verständnis und die Akzeptanz des Planungsvorhabens.

Marcel Muri
KEEAS AG

Kommunikation und Dialog aufrechthalten

Nachdem die Gemeinde positive Rückmeldungen auf die virtuelle Parteien-Orientierung und die anschliessende Mitwirkung erhielt, schaltete die Gemeinden die digitale Dialogplattform für die breite Öffentlichkeit auf.

Mittels der E-Mitwirkung und der integrierten Projektwebsite können sich Einwohnerinnen und Einwohner zeit- und ortsunabhängig mit dem Thema «Ortsplanung» auseinandersetzen. Die Kommunikation kann trotz «Social Distancing» aufrechterhalten und das Projekt weitergeführt werden.

Auf der Website ortsplanung-unteraegeri.ch sind zahlreiche Informationen zur Ortsplanungsrevision zu finden, wie etwa der zeitliche Ablauf und Schwerpunkte. Ausserdem werden häufig gestellte Fragen beantwortet und die im Video-Dialograum aufgenommen Videos erläutern die Schwerpunkte der Ortsplanung multimedial.

Mit der Website erhofft man sich zudem, auch jüngere Unterägerer zu erreichen. «Wir können uns gut vorstellen, dass vor allem die jüngere Bevölkerung zu einer digitalen Mitwirkung einen einfacheren Zugang findet und somit schliesslich ein grösserer Teil der Bevölkerung mitreden kann», erwägt die Kommunikationsbeauftragte.

Die Gemeinde ist überzeugt, eine gute Lösung gefunden zu haben. Denn die Website und E-Mitwirkung soll auch noch in Verwendung bleiben, wenn Versammlungen wieder möglich sind. Nach Veranstaltungen etwa wird die Bevölkerung die Möglichkeit haben, ein Feedback zu hinterlassen. Wer sich einmal registriert hat, wird immer wieder über neue Möglichkeiten ein Feedback abzugeben, informiert. «Wir können so in einem ständigen Dialog mit der Bevölkerung bleiben. Das ist entscheidend», spricht Joëlle Guldin für den Unterägerer Gemeinderat. Dass die Informationen auf der Website gebündelt werden, sei ein weiterer Vorteil.

Auf der Website ortsplanung-unteraegeri.ch kann sich die Bevölkerung zum Vorhaben der Gemeinde informieren und aktiv mitwirken.

Herausforderungen erkennen und angehen

Eine Umstellung von einem analogen zu einem digital unterstützen Prozess erfordert viel Feingefühl und eine gut geplante Implementation. Eine besondere Herausforderung war es, die Benutzung des Video-Dialogs so einfach wie möglich zu gestalten. Benutzer möchten so zum Beispiel keine zusätzliche Software herunterladen und direkt über den Webbrowser teilnehmen können. Auch Themen wie Datenschutz und eine klare Einführungskommunikation sind wichtige Faktoren und müssen entsprechend berücksichtigt werden.

So wurde die Lösung vor der breiten Einführung im kleinen Rahmen mit ausgewählten Nutzergruppen getestet und die dabei gesammelten Erfahrungen und Resultate im Anschluss ausgewertet.

Josef Ribary

In Unterägeri hätten wir aufgrund der aktuellen Situation die Erarbeitung der Ortsplanung verschieben müssen. Mit der E-Mitwirkung können wir den Prozess nun weiterführen und den Anspruchsgruppen mit dem Video-Dialograum sogar einen zusätzlichen Service anbieten

Josef Ribary
Gemeindepräsident Unterägeri

Hohe Innovationskraft dank dem Ökosystem der E-Mitwirkung

Das Vorhaben «Digitaler Dialograum» zeigt, wie schnell und vernetzt dank dem einzigartigen Ökosystem der E-Mitwirkung neue innovative Methoden und Lösungen direkt in der Praxis entwickelt und umgesetzt werden. «Dank der starken Vernetzung im Ökosystem konnten wir innerhalb wenigen Tagen zusammen mit dem Ökosystem-Partner KEEAS AG ein Konzept entwickeln und dieses in der Praxis validieren.», so Miro Hegnauer, Partner bei der Konova AG.